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D

iesen Satz, den Sie oben sehen, konn-

te man vor kurzer Zeit in der

New

York Times

lesen. Lakonisch, wie angel-

sächsischer Journalismus meist auftritt,

analysierte das Blatt die Situation redakti-

onell gestalteter Printmedien in den Ver-

einigten Staaten. Anlass: Der US-ameri-

kanische Zeitungsverband verabschiedet

sich vom Begriff „Zeitung“ in seinem

Namen. Aus der Newspaper Association

of America wird nun die News Media

Alliance. Nebenbei wurde eine Zahl ver-

lautbart, die uns alle nachdenklich ma-

chen sollte: Von rund 2.700 Mitglieds­

unternehmen dieser Vereinigung im Jahr

2008 sind heute noch 2.000 am Markt

vertreten. 700 haben das Zeitliche geseg-

net. Innerhalb von acht Jahren.

Die Welt aus amerikanischer Perspek-

tive zu betrachten, hat auf diesenMedien­

tagen Tradition. Der Blick über den Gro-

ßen Teich ist oft, in diesem Fall leider, ein

Blick in unsere eigene Zukunft. Ebenfalls

Tradition hat die doch erstaunliche Rat-

losigkeit vieler Akteure, wenn es um den

entscheidenden Schritt von der Diagnose

in die Therapie geht.

D

ie Diagnose fällt allen leicht: Bereits

vor Jahren haben in den USA die

neuen Medien die Printmedien über­

flügelt, wenn man deren Einnahmen aus

Werbung vergleicht. In den USA werden

Wahlkämpfe nahezu ausschließlich im TV

und in den sozialen Medien geführt. Aus

einer einstmals durch Zeitungen beglei­

teten und geformten Gesellschaft ist im

zwanzigsten Jahrhundert eine vom Radio

und Fernsehen dominierte geworden, die

sich gerade mit unglaublichem Tempo zur

Social-Media-Gesellschaft wandelt.

Europa ist hier (noch) anders, die Ten-

denz ist jedoch die gleiche.

Wenn „Print nicht tot“ ist und lineares

Fernsehen noch immer funktioniert,

dann ist die Frage nicht: Wieso? Son-

dern: Wie lange noch? How to make mo-

ney – natürlich gilt auch für die Medien-

branche Bill Clintons Satz: It’s all about

the economy, stupid! Unabhängigkeit si-

chern, das bedeutet natürlich in erster Li-

nie: Medienunternehmen – und hier vor

allem solche, deren Inhalte redaktionell

hergestellt werden – ökonomisch lebens-

fähig zu erhalten.

M

edien sind natürlich mehr als „nur“

Unternehmen. Vor allem in der De-

mokratie. Medien sind wichtige Träger

des gesellschaftlichen Diskurses. Es geht

also auch darum, die für eine Demokratie

so wichtige Medieninfrastruktur abzu­

sichern. Die größten Bedrohungen einer

österreichischen, eigenständigen und in

ihren Haltungen und Einstellungen viel-

fältigen Medienlandschaft gehen nicht

von den einzelnen inländischen Mitbe-

werbern aus, sondern von jenen Platt­

formen, die weder inhaltlich noch kauf-

männisch eine Unterscheidung zwischen

eigenem und nicht eigenem Content

S

chon vor Jahren

haben in den USA die

neuen Medien traditionelle

Printmedien überflügelt.

In Europa passiert das

gerade. Trotzdem sind

klassische Medien nicht

tot. Sie müssen nur ebenso

neu gedacht werden wie

ihre gesellschaftlichen

und politischen Rahmen-

bedingungen.

Thomas Drozda

Die Demokratie und die Medien

8

TREND bestseller

Thomas Drozda

Bevor Drozda letzten Mai Kanzleramtsminister für die

SPÖ wurde, war er Generaldirektor der Vereinigten

Bühnen Wien, kaufmännischer Direktor des Wiener

Burgtheaters, Wirtschafts- und kulturpolitischer

Berater des früheren Bundeskanzler Viktor Klima,

Berater von Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky sowie

Abteilungsleiter in der Österreichischen Nationalbank.

“Through online exposure, newspapers are reaching more people than ever.

The problem is how they make money.”