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nimierte GIFs sind eigentlich ein

alter Hut. Bilder im Graphics

Interchange Format wie bei

einem Daumenkino zu einem ganz kurzen

Videoclip aneinanderzureihen, funktio-

niert schon seit Langem. Mit Social Media

und Messaging-Apps erlebt das animierte

GIF aber derzeit einen ungeahnten Boom.

Angetrieben durch den US-Wahlkampf,

sind derzeit besonders Kurz- und Kürzest-

videos von Donald Trump ein Renner im

Web. „Schau dir Trump an, wie er in

sieben Sekunden sämtliche Gesichtsaus-

drücke macht, die die Emojis auf deinem

Smartphone haben“: Das sind die Bot-

schaften, die derzeit mit unzähligen ande-

ren GIF-Clips millionenfach via Twitter

und Co. durchs Web wandern. Sie sind

natürlich auch deshalb ein Hit, weil sie ihre

Protagonisten, in der Regel Prominente,

ordentlich durch den Kakao ziehen. Die

politische Konkurrenz nutzt GIFs bereits,

um den Gegner zu schmähen. Dass Tau-

sende animierte GIFs mit lustigen Katzen,

Comicfiguren und Schauspielern aus be-

rühmten Filmen in sozialen Netzwerken

geteilt werden, versteht sich von selbst.

Der verwirrte John Travolta aus „Pulp

Fiction“, ein anderer GIF-Renner, lässt

herzlich grüßen.

Und wie immer in der Welt der Kom-

munikation sind die Geschäftemacher

nicht weit. Fand man die kurzen Clips vor

einem Jahr noch vorrangig auf Under-

ground-Websites wie reddit oder Imgur,

haben sie es – vor allem mithilfe von

Facebook – in den Mainstream geschafft.

Mark Zuckerberg erkannte, dass die

witzigen Kurzclips für viel Interaktion

sorgen – und damit für Werbepotenzial.

Er erlaubt seinen Milliarden Facebook-

Mitgliedern, die GIFs in dem Social Net-

work zu teilen. Selbst in der Dating-App

Tinder kann man mittlerweile GIFs an

flirtwillige Kontakte senden, um sie zum

Lachen zu bringen oder bildhaft Emotio-

nen auszudrücken, wenn einem mal die

Worte fehlen.

Der Kurznachrichtendienst Twitter, der

wegen stagnierender Nutzerzahlen seit

Monaten in der Bredouille steckt, will die

GIFs deswegen künftig wie Facebook zu

Werbezwecken einsetzen. Der Plan: Wenn

sich die Massen schon über einen Grimas-

sen schneidenden Trump amüsieren, wieso

dann nicht auch Markenbotschaften witzig

verpacken? Vor allem auf Smartphones

funktionieren die kurzen Clips besonders

gut, weil sie wie Snacks zwischendurch gut

in die kurzen Aufmerksamkeitsspannen

der Nutzer passen und dabei in wenigen

Sekunden mehr vermitteln können als

längere Texte.

Zur zentralen unternehmerischen

Drehscheibe der GIF-Welt entwickelt sich

im Hintergrund derweil die New Yorker

Firma Giphy. Alex Chung und Jace Cook

antizipierten 2013 den Trend zum digi­

talen Daumenkino und gründeten mit

www.giphy.com

ein „Google für GIFs“.

Nutzer suchen einfach zum Beispiel nach

#cat, #lol oder #trump. Und: GIF!

8

bestseller

_eins 2016

GIF ist Trump(f). Zum Beispiel.

Die kurzen Clips erobern mit Schmäh die digitale Kommunikation.

Sie könnten künftig vielleicht auch politische Kommunikation und Werbung prägen.

Kommt auch bei uns das Aus fürs Bargeld?

Entgegen dem europäischen Trend hat Österreich

mit der bargeldlosen Gesellschaft so seine Probleme.

Ob für den täglichen Lebensmittelein-

kauf, einen Coffee-to-go oder gar die

Arztrechnung – in den USA ist die Kre-

ditkarte Zahlungsmittel Nummer eins.

Wer Ausgaben im oberen zweistelligen

Bereich mit Barem begleichen will, ris-

kiert schon einmal einen verwunderten

Blick. Um als kreditwürdig eingestuft

zu werden, führt über dem großen

Teich an Visa, Mastercard und Co. kein

Weg vorbei. Auch Europa bewegt sich

Schritt für Schritt in Richtung bargeld-

lose Gesellschaft. Vorreiter ist Schwe-

den, wo Banken ihren Bargeldservice in

den vergangenen Jahren schrittweise

eingestellt haben. „Transport und Ver-

waltung sind zu teuer“, argumentierte

Lars Nyberg, ehemaliger Vorstand der

schwedischen Zentralbank, bereits

2008. Nicht nur Plastikgeld erweist

sich als bequeme und beliebte Alter­

native, auch die mobile Zahlung ist im

Norden Europas weitverbreitet – und

so lassen sich Bustickets in einigen

Städten mittlerweile ausschließlich via

SMS ordern.

Auch Staaten wie Belgien oder Itali-

en forcieren den Trend. Bei uns ist alles

anders: Österreich ist eine Art Europa-

meister in Sachen Bargeld, über 80 Pro-

zent aller Transaktionen erfolgen hier-

zulande in bar. Außer bei uns ist das

nur noch in Deutschland so extrem.

Kein Wunder, dass ausgerechnet diese

beiden Länder sich als einzige vehement

gegen den Plan der Europäischen Zen­

tralbank sperren, den 500-Euro-Schein

als Maßnahme gegen die internationale

Geldwäsche abzuschaffen. „Cash ist in

Österreich noch immer King, auch wenn

die digitale Gesellschaft das Bargeld in

Bedrängnis bringen will“, sagt Kurt Pribil

von der Oesterreichischen National-

bank. Die „Liebesbeziehung der Öster-

reicher zum Bargeld“ habe allerdings

auch Gründe: In kaum einem anderen

Land ist die Beschaffung von Barem so

einfach wie bei uns. Österreich ist das

Land der Bankomaten, die gebührenfrei

Geld hergeben. Damit könnte bald

Schluss sein: Einzelne Geldinstitute

wollen dazu übergehen, Gebühren für

Bankomat-Abhebungen zu verrechnen.

Dann könnte dem Bargeld auch in

Österreich das Ende drohen.

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