Bestseller 05/2016
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„Bei zeitgenössischer Kunst

hält der Boom an.

Aber die Preise sind sehr hoch.“

Andrea Jungmann, Geschäftsführerin

von Sotheby’s Österreich

fast das Siebenfache wert. Auch mit Sportwagen von Porsche sind

Investoren im gleichen Zeitraum mit mehr als 400 Prozent Wert-

gewinn hervorragend unterwegs. Aber nicht bei jeder alten Karre

explodiert der Preis. So sind etwa Oldtimer, wie man sie aus den

Dick-und-Doof-Filmen kennt, nicht mehr so gefragt.

Autoexperte Franz Steinbacher, der seit mehr als 25 Jahren

Oldtimer-Gutachten erstellt, meint: „Alt allein ist zu wenig.

Es kommt darauf an, ob ein Wagen aus einer kleinen Serie

stammt, ob der Zustand perfekt und die Ausführung luxuriös ist.“

Und auch die Marke entscheidet darüber, ob der Wert steigt.

„In den vergangenen Jahren war Porsche sehr gefragt. Der Boom

hat mit dem 356er begonnen. Porsche 911 aus den frühen

1960er-Jahren sind weiter heiß begehrt.“ Aber auch bei Autos

ändert sich die Mode. Seit einiger Zeit stehen Modelle von Alfa

Romeo und seltene Lancias hoch im Kurs. Gutachter Steinbacher:

„Die Nachfrage nach Alfa Giuliettas aus den 1950er- und 1960er-Jahren hat still und heimlich angezogen. Jetzt sind diese Autos

nicht mehr billig. Für ein Coupé eines Giulietta Sprint Veloce

muss man mit einem Preis zwischen 70.000 und 100.000 Euro

rechnen.“

Der teuerste Essig der Welt?

Dass Investoren bereit sind, auch für Wein ein Vermögen

springen zu lassen, zeigte sich schon mehrmals. 1985 kam eine

Flasche Château Lafite 1787 beim Auktionshaus Christie’s unter

den Hammer. Die vom dritten US-Präsidenten, Thomas Jefferson,

signierte Flasche wechselte um 160.000 Dollar den Besitzer.

Dabei kann man nicht einmal sagen, ob der Jefferson-Wein nicht

schon längst zum teuersten Essig der Welt geworden ist. Das

Risiko nehmen Weinsammler offensichtlich in Kauf. Und werden

dafür wertmäßig entlohnt. Waren doch Investments in edle

Kreszenzen in den vergangenen zehn Jahren auf den ersten Blick

ein gutes Geschäft. Der Liv-ex 1000 Index, der die Wertent­

wicklung von 1.000 der besten Weine der Welt abbildet, legte

zwischen August 2006 und August 2016 um insgesamt knapp

110 Prozent zu.

Aber auch Geldanlage in Wein ist keine sichere Bank. So sackte

dieser Index 2008 wegen der Finanzkrise um rund 20 Prozent ab.

In den Jahren danach kamen reiche Chinesen auf den Geschmack

und kauften vermehrt Spitzenweine von Château Lafite und

anderen Topwinzern. Das trieb die Preise bis 2011 in bis dahin

ungeahnte Höhen. Danach war jahrelang Sendepause. Die chine-

sischen Käufer zogen sich zurück und der Weinindex verlor bis

2014 um rund 13 Prozent.

Ein Bombengeschäft machten in der Papierform jene, die auf

Hochprozentiges setzen. Gemessen am Rare Whisky Icon 100

Index hat sich die Geldanlage in Top-Whiskys seit Ende 2008 mit

mehr als 160 Prozent Wertgewinn hochprozentig verzinst. Aber

bei Whiskys, von denen Experten speziell Single Malts als Anlage­

instrumente favorisieren, gelten die gleichen Gesetze wie bei

Spitzenweinen: Ohne fundierte Fachkenntnis kann der Schuss

nach hinten losgehen.

Auch Immobiliennachfrage steigt weiter

Die jahrelange Flucht in Sicherheit hat dazu geführt, dass die

Immobiliennachfrage auch unter Vermögenden deutlich gestiegen

ist. Wie viel Geld in ausländische Domizile geflossen ist, lässt

sich nicht beurteilen. Leichter fällt die Einschätzung der Lage in

Österreich. So stiegen die Preise neuer Eigentumswohnungen

in Wien seit 2000 um 86 Prozent, jene gebrauchter Wohnungen

um 114 Prozent. In Restösterreich fiel der Wertzuwachs bei

neuen Eigentumsapartments mit plus 24 Prozent deutlich mode-

rater aus. Experten gehen davon aus, dass man mit Immo-Invest-

ments auch in nächster Zeit recht gut bedient ist. Das gilt laut

Bernhard Reikersdorfer, Österreich-Chef des Maklernetzwerks

Re/Max, etwa für die Regionen rund umWien, Innsbruck oder

Salzburg. Bei Wiener Bezirken, in denen Wohnraum ohnehin

schon teuer ist, ist laut Reikersdorfer aber der preisliche Plafond

erreicht.

steinbacher, lukas beck, lukas schedl

„Ich rechne in Österreich in

nächster Zeit in Summe mit

moderat steigenden Immopreisen.“

Bernhard Reikersdorfer, Österreich-Chef

des Maklernetzwerks Re/Max

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