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ian ehm

bestseller

_drei 2016

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Leitartikel

Das Buch von Amazon, die Schuhe von Zalando, die Musik von Universal:

Nie war es so einfach und bequem, zu shoppen. Wer online bestellt,

bekommt prompt geliefert – aber, und das ist der Knackpunkt, bezahlt

oft nicht in Österreich. Die Rechnungen werden teils über Länder wie

Deutschland oder Luxemburg fakturiert. Die Musikindustrie schätzt den

Wertschöpfungsverlust auf viele Millionen Euro pro Jahr. Geld, das der

österreichischen Volkswirtschaft nicht zugerechnet wird. Die Globalisie­

rung zeigt hier ihre Schattenseiten und führt zur Oligopolisierung.

Ähnlich ist es bei den Erlösen aus der Fernsehwerbung. Privatsender

haben in Österreich zwar Töchterfirmen mit teilweise österreichischen

Gesellschaftern, ein Teil der Erlöse geht aber dorthin, wo die Medien­

konzerne ihren Sitz haben: nach Deutschland. Immerhin: In Österreich

verbleiben die Produktionserlöse. Der Einfluss des Auslands, zumeist der

deutschen Medienkonzerne, in Österreich ist zwar etwas zurückgegan­

gen, dominant ist er aber immer noch: So gibt es etwa die Beteiligung

der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr an der News-Gruppe oder den

ProSiebenSat.1-Konzern mit Puls 4. ATV ist zur Gänze in deutschem

Besitz. Und es gibt – abgesehen von ein paar Minilabels – so gut wie

keinen österreichischen Buchverlag mehr.

In Österreich hingegen steigen strategische Investoren bei Medien- und

Werbeunternehmen auf die Bremse: Die Raiffeisen-Beteiligungsholding

hat sich schon länger von der Epamedia verabschiedet,

jetzt verschiebt auch der Red-Bull-Konzern seine

Expansionspläne – Stichwort Global TV – vorläufig auf

unbestimmte Zeit.

Dem Finanzminister entgehen außerdem Steuereinnah­

men in gewaltiger Höhe: Die großen Player wie Google,

Facebook, Amazon und Co. zahlen europaweit kaum

Einkommensteuer und konstruierten dafür raffinierte

Verschachtelungen. Die Marken- und Urheberrechtsträger sind zumeist

in den Niederlanden angesiedelt, nicht nur von Medienunternehmen,

sondern auch von Ketten wie Starbucks oder Ikea.

Bundeskanzler Christian Kern hat Sanktionen gegen diese Multiunter­

nehmen angekündigt. Damit ist er nicht der Erste. Die Chancen auf natio­

nale Lösungen, noch dazu in einem kleinen Markt wie Österreich, sind

nicht besonders gut. Doch leider scheitert bislang eine EU-weite Eini­

gung: Zu viele Mitgliedsländer – von Irland über die Niederlande bis hin

zu Luxemburg – profitieren davon. Notwendig wäre ein ganzes Bündel an

Maßnahmen: Umschichtungen bei der Werbesteuer – oder gleich deren

Abschaffung. Dafür Contentförderung und Maßnahmen gegen die inter­

nationalen Mediabuyer, die noch das Sagen haben. Und die Macht.

Die Regierung ist jetzt in ihrer Verantwortung gefordert: Was ist nun

mit dem „New Deal“?

Wertschöpfung ade?

Marlene

Auer

ist Chefredakteurin von

bestseller

und HORIZONT.

m.auer@manstein.at

@MarleneAuer

Player wie google, facebook

oder amazon zahlen kaum

steuern in Österreich.